Jamaika auf dem falschen Dampfer

Wenn das keine faustdicke Überraschung war! Sich bei sechs Kandidaten im ersten Durchgang mit 56 Prozent der Stimmen in einer Bürgermeisterwahl durchzusetzen, ist ein Zeichen mit Signalwirkung.

In Schwerte herrschte Wechselstimmung. Dabei ist es Dimitrios Axourgos von der SPD gelungen, sogar mehr Zustimmung einzuheimsen als es seinem Vorgänger im Amt jemals vergönnt war. Und dass sogar trotz der allgemein-politischen Großwetterlage mit nicht gerade förderlichen GroKo-Diskussionen und Personaldebatten im fernen Berlin.

Der Sonntag war wieder ein Beleg dafür, dass Wahlen auf Kommunalebene nach ganz eigenen Gesetzen funktionieren. Hier geht es nicht immer nur um Inhalte, sondern vielmehr um die Wahrnehmung, wem das Lösen von Problemen am ehesten zugebilligt wird. Es geht um Vertrauen, das jede Wählerin und jeder Wähler dem Favoriten schenkt und um diffuse Störgefühle, die die anderen Bewerber auslösen. Argumentativ nicht immer zu fassen und zu begründen, dennoch wahlentscheidend.

Der frische Wind

Dimitrios Axourgos hat sich als Neuer, als Macher präsentiert, der zuhört, Meinungen aufnimmt und Position bezieht. Er wirkte unverbraucht, empathisch, der frischen Wind im Rathaus wehen lässt. In vielen Gesprächen während seines Haustür-Wahlkampfs, aber auch in etlichen Veranstaltungen mit Multiplikatoren, die sich in Sportvereinen engagieren oder um die Kultur in Schwerte kümmern, hat der neue Bürgermeister sich auf deren Seite geschlagen und festgestellt, dass vieles im Argen liegt und korrigiert werden muss.

Verstellter Blick

Adrian Mork von den Grünen setzte thematisch hingegen fast vollständig auf seine Stadtplaner-Karte. Unterstützt durch das Jamaika-Bündnis aus CDU-Grüne-FDP wirkte das Werben um Stimmen selbstsicher. Die Ratsmehrheit im Rücken, die jahrelange Arbeit als Planer im Rathaus, das breite Parteienbündnis bei der Kandidatenkür schien den Blick etwas verstellt zu haben auf das, was bei den Leuten zählt. Wer von sich behauptet, Schwerte zu kennen und zu können, muss dafür Belege liefern. Wer an der Kreuzung Karl-Gerharts-/Béthunestraße auf großflächigen Plakate ankündigt, das Verkehrsproblem zu lösen, muss sich fragen lassen, warum er das als Stadtplaner in den letzten Jahren noch nicht angepackt hat.

Diese Ferne mündete in eine generelle Fehleinschätzung, die Wahl gewinnen zu können. Jamaika befand sich auf dem völlig falschen Dampfer. Und fiel angesichts des Endergebnisses aus allen Wolken der Selbstsicherheit. WennSpitzenkräfte aus der Fraktion in der Tageszeitung zitiert werden, dass es schade sei, dass Kompetenz nicht gezählt habe, dann schwingt nicht nur Respektlosigkeit gegenüber dem Wahlgewinner und den Wählern mit. Sondern angesichts von nur 29,8 Prozent der gewonnenen Stimmen auch eine kräftige Portion Überheblichkeit und Arroganz.

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Kommentare

Comments

  • uschi gerhold 11. März 2018 at 18:09

    Auch in Schwerte ist Jamaika gescheitert.
    Ein Wahlkampf wie der von Herrn Mork war ja zum Scheitern
    verurteilt.Unprofessionell,langweilig und völlig veraltet.
    Die Wahlkampfberater sollten sich von ihren Ämtern trennen
    und jüngeren und kompetenteren Leuten Platz machen
    anstatt die Wähler zu beschimpfen.
    Mitstreiter sollten jetzt die
    Konsequenzen ziehen und im Ärger (vielleicht über sich selbst)
    aufhören Schwerter und Schwerterinnen zu verunglimpfen,die
    anderer Meinung sind, als sie selbst.
    Ich jedenfalls freue mich sehr über dieses tolle Wahlergebnis.
    Stellungnahmen und Kommentare müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die sich das Recht auf Kürzung vorbehält.

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  • Walter Wendt-Kleinberg 10. März 2018 at 16:25

    Ich vermisse eine angemessene Würdigung des Wahlerfolgs von Dimitrios Axourgos.
    Er hat einen Erdrutschsieg trotz vieler Kandidaten für sich und seine Partei errungen. 57 % sind mehr, als Heinrich Böckelühr je erreicht hatte. Und eigentlich hatte niemand mit seinem Erfolg gerechnet. Im Gegenteil: es galt als sicher, dass Adrian Mork der nächste Schwerter Bürgermeister ist. Dimitrios Axourgos war ein Kandidat, den zuvor hier niemand gekannt hatte, ein Iserlohner mit griechischem Namen. Er hat aber einen sehr bürgernahen Wahlkampf geführt mit vielen Hausbesuchen und runden Tischen und auch ein paar mit Prominenz bestückten Veranstaltungen. Letztendlich hat er doppelt so viele Bürger wie Adrian Mork davon überzeugt, dass er der zukünftige Bürgermeister sein soll. Wer in Schwerte hätte vorher auf seinen Sieg gewettet?
    Aus dieser Wahl ist auch ablesbar, dass in Schwerte nach einer sehr langen Durststrecke wieder eine sozialdemokratische Mehrheit erreicht werden kann. Bei überzeugender Arbeit des neuen Bürgermeisters und seiner Partei könnten in 2 Jahren die politischen Weichen neu gestellt werden. Dimitros Axourgos verkörpert damit auch die Aussicht für eine sozialere Politik in Schwerte.
    Über die sehr unglückliche Einschätzung der Grünen (sie vermissen im Wahlergebnis Kompetenz) sollte man nicht weiter diskutieren. Das ist unter jedem Niveau. CDU und Grüne werden wohl noch eine Weile ihre Wunden lecken, nach Erklärungen suchen für die katastrophale Wahlniederlage und werden auch beraten müssen, wie sie denn nun mit diesem neuen Bürgermeister umgehen sollen: auflaufen lassen mit ihrer Mehrheit oder kooperieren, was wohl die meisten Bürger in Schwerte wollen.
    Irgendjemand bei der CDU und den Grünen muss natürlich auch die Verantwortung für diesen Wahlausgang übernehmen. Im politischen Alltag bedeutet dies fast immer: Rücktritt von den Funktionen in der Partei.

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